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23. Juni 2017

Suizide aus der Tabuzone holen – Prävention vorantreiben

 

„Im Jahr 2015 starben in Deutschland 10.080 Menschen durch Suizid. Das sind mehr Menschen als durch Verkehrsunfälle, eine Überdosis illegaler Drogen und Gewalttaten zusammen. In Bielefeld starben 2015 36 Menschen durch Selbsttötung. Das sind 36 zu viel!

Doch noch immer ist das Thema Suizid in unserer Gesellschaft tabuisiert und mit vielen Vorurteilen belastet. Diese Tabus müssen wir überwinden, damit Betroffene sich trauen, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Menschen in schweren Krisen dürfen nicht allein gelassen werden, sondern müssen niedrigschwellig und schnell qualifizierte Hilfe finden. Und die heute schon engagierten Initiativen und Vereine brauchen mehr Unterstützung damit sie besser helfen können.

Nach intensiven Bemühungen von Verbänden und uns Grünen beschließen wir im Bundestag nun endlich einen interfraktionellen Antrag, der sich für eine verbesserte Suizidprävention einsetzt. Das ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Damit wird ganz deutlich, was wir schon lange fordern: Das Thema Suizidprävention eignet sich nicht für den politischen Parteienstreit, sondern erfordert gesamtgesellschaftlichen Einsatz. Es bedarf einer Gemeinschaftsanstrengung, um das Thema aus Verdrängung, Tabu und Scham herauszuholen und Betroffenen frühzeitig Hilfe zu bieten.„

 

Zum Hintergrund:

Die Suziddaten für NRW einschließlich Bielefeld und der OWL – Landkreise finden Sie hier:

https://www.destatis.de/GPStatistik/servlets/MCRFileNodeServlet/NWHeft_derivate_00009799/a503201500_A.pdf

Im Bundestag wird heute gemeinsamer Antrag der Fraktionen Bündnis 90/Die Grünen, CDU/CSU und SPD beschlossen werden, der eine Stärkung der Suizidprävention in Deutschland fordert. Den interfraktionellen Antrag hier: http://dip21.bundestag.btg/dip21/btd/18/127/1812782.pdf

Einen ersten Erfolg für eine Stärkung der Suizidprävention konnten wir Grüne schon bei den Haushaltsverhandlungen im November 2016 erzielen. Die Bundesregierung übernahm unseren grünen Änderungsantrag, durch den nun im Gesundheitsministerium ein neuer Förderschwerpunkt Suizidprävention geschaffen wurde.

Bereits 2015 haben wir uns mit einem eigenen grünen Antrag für eine Stärkung der Suizidprävention eingesetzt. Inzwischen hat auch die Große Koalition die Wichtigkeit des Themas erkannt. Viele der grünen Forderungen finden sich im überfraktionellen Antrag wieder:

Um Angehörige und Betroffene über Suizidalität und Beratungsangebote zu informieren, soll die Bundesregierung Aufklärungskampagnen unterstützen. Auch Forschungsvorhaben im Bereich Suizidprävention sollen stärker finanziell gefördert werden. Sogenannte „Hot Spots“, also Orte an denen viele Suizide begangen werden, müssen besser gesichert werden.  Es muss sichergestellt werden, dass diejenigen die Unterstützung brauchen, kurzfristig Zugang zum Psychotherapeuten oder zur Psychiaterin bekommen.

Wichtig ist zudem, Hilfsangebote für spezielle Zielgruppen wie Jugendliche oder ältere Menschen zu schaffen.

Ältere Menschen begehen überdurchschnittlich viele Suizide: 38 Prozent aller Suizide werden von über 65-Jährigen verübt, obwohl diese Altersgruppe nur 21 Prozent der Bevölkerung ausmacht. Fehlende soziale Kontakte und Einsamkeit, Hilfsbedürftigkeit und Pflegebedürftigkeit durch chronische Erkrankungen, aber auch Altersarmut und das Gefühl des „zur Last Fallens“ werden als Gründe genannt. Hier sind passende Beratungs- und Behandlungsangebote zentral. Ältere Menschen dürfen mit ihren Ängsten und Sorgen nicht allein gelassen werden.

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